Lipsi – kleine Insel, große Auszeit

Herzlich willkommen auf Lipsi –
wo die Zeit langsamer tickt und das Meer blau funkelt.
Wir hatten fünf wundervolle Tage auf Lipsi und wenn ich ehrlich bin, hätte es so gar nicht kommen sollen. Eigentlich war im Rahmen unseres Inselhoppings noch ein kurzer Abstecher nach Leros geplant. Doch erst war unsere Wunschunterkunft nicht zur Buchung verfügbar, dann ist uns durch viel zu langes Zögern die Zeit davon gerannt. Plötzlich stand unsere komplette Planung nicht mehr wirklich da, wo sie vorher hingehört.
Was also tun, wenn man die bisherige Planung nicht einfach aufgeben, sondern irgendwie trotzdem das Beste daraus machen möchte? Ganz einfach: wir sind eine Insel weitergefahren; in unserem Fall nach Lipsi. Und heute sind wir wirklich froh, dass es genauso gekommen ist.
Eckdaten Lipsi
Lipsi oder „Lipsoi“ hat etwa 800 Einwohner und ist rund 17,35 km² groß. Damit gehört die Insel klar zu den kleineren Inseln der Dodekanese.
Lipsi liegt in der östlichen Ägäis in der inselgruppe der Dodekanese, zwischen Patmos (ca. 13 km westlich) und Leros (ca. 9 km südlich). Die Insel selbst hat keinen Flughafen, so dass man vor allem per Fähre anreist, daher eignet sich Lipsi auch perfekt für Inselhopping.
Vor Ort lässt sich Lipsi unkompliziert zu Fuß erkunden, vor allem rund um den Hauptort. Für alle weiteren Strecken gibt es zwei Taxifahrer sowie zwei Vermietung für Roller und Autos. Zusätzlich gibt es in der Saison einen Inselbus, der verschiedene Ziele auf der Insel anfährt.


Lipsi Chora – Dreh- und Angelpunkt
Wer auf Lipsi ankommt lernt direkt den Hauptort Chora kennen, denn alle Fähren legen hier an. Hier leben die meisten der Einheimischen und auch der größte Teil der Gäste verbleibt hier. Kein Wunder also, dass sich im Ort genau das findet, was man zum Leben braucht; kleine Versorgungsmöglichkeiten, gemütliche Plätze zum Essen und der ganz besondere Insel-Charakter der kleinen verwinkelten Gassen. Chora kann man als das Herz der Insel bezeichnen.
Der Ort ist klein und lässt sich wunderbar zu Fuß erkunden. Und das Beste, verlaufen ist hier wirklich schwierig. Selbst wenn die kleinen Gassen verwinkelt wirken, bleibt der Ort übersichtlich, man findet schnell zurück.

Schon vom Meer aus sieht man das erste Wahrzeichen der Insel. Die große Kirche Agios Ioannis Theologos mit ihren hellblauen kuppeln – markant und auffallend.
Die meisten Tavernen haben sich im ruhigen Hafenbereich angesiedelt, ansonsten findet man noch welche in den kleinen Gassen.
Für das leibliche Wohl sorgen die Läden im Ort. Es gibt drei kleine Supermärkte, dazu zwei Bäckereien. Der Calypso Supermarkt, direkt am Hafen gelegen, ist dabei der größte von allen und hat eine große Auswahl an Produkten.


Bucht von Kimisi – wie Ruhe wirklich aussieht
Wenn Chora der Auftakt ist, dann ist die Bucht von Kimissi der Moment, in dem Lipsi einen ganz anderen Charakter zeigt: noch naturverbundener, noch stiller, noch entschleunigter. Wir haben die Gegend um die Bucht herum mit einer kleinen Wanderung erkundet.


Wir sind mit dem Taxi bis zu unserem Startpunkt gefahren, oben auf den Scheitel des Berges. Von dort führt ein Weg über felsige und schmale Passagen am Hang bis zu der Kirche Pano Kimissi.
Die Kirche wurde um 1500 gebaut. Unten an der Bucht, befindet sich die Kapelle Kato Kimissi, die etwa um 1770 gebaut wurde. In dieser Einsiedelei lebte lange Zeit ein Mönch in völliger Abgeschiedenheit.
Ein rund 900 m langer, gut ausgebauter Weg verbinde Kirche und Kapelle miteinander. Unten angekommen erwartet uns ein Sandkiesstrand, der sich wirklich wie ein kleines Paradies anfühlt.


Das Wasser ist tief und so klar, dass man bis nach unten zum Grund schauen kann. Dazu kommen Felsen, die sich hervorragend zum Schnorcheln eignen. Wir waren über mehrere Stunden völlig alleine – absolute Ruhe. Einziger Nachteil, am Strand gibt es kaum Schatten, wie gut dass wir unsere zwei Knirpse dabei hatten.
Nach den entspannten Stunden am Strand haben wir uns noch die Kapelle Kato Kimissi angesehen, leider war sie bei unserem Besuch verschlossen.
Schweren Herzens machen wir uns auf den Rückweg. Dies ist einer der Orte, wo man weiß, hier wird man höchstwahrscheinlich nicht noch einmal herkommen. Nicht weil es uns hier nicht gefallen hat – ganz im Gegenteil. Aber der Strand ist einfach nicht so leicht zu erreichen. Die Betonpiste ist nicht bis zum Strand befahrbar und bereits vorher sind einzelne Passagen sehr eng und sehr steil. Um einen steilen Anstieg zu Fuß kommt man hier nicht drumherum.

Für unseren Rückweg sind wir wieder hochgegangen bis zum Scheitelpunkt des Berges. Von hier führt ein Weg zurück nach Chora. Wir haben uns jedoch entschieden, uns wieder vom Taxi abholen zu lassen. Wir haben heute schon so viele schöne Erfahrung gemacht, da kann es gar nicht mehr besser werden.
-> wenn ihr euch weiter unten abholen lassen wollt, fragt vorher beim Taxifahrer nach, wie weit er wirklich herunterfährt.
Wanderung – Kapelle Agios Nikolaos

Bevor es losgeht haben wir uns in der Bäckerei mit Spanakopita eingedeckt – der perfekte Proviant. Dann verlassen wir den Ort Richtung Chochlakoura Strand.
Immer wieder laufen wir an kleinen Kapellen und Kirchen vorbei, wir hätten sie vielleicht von Anfang an zählen sollen. Dazu kommen immer wieder diese Momente, mit wunderschönen Ausblicken: auf die Insel und das Meer. Am Scheitelpunkt der Anhöhe angekommen kommt dieser eindrucksvolle Moment – man sieht beide Inselseiten und jeweils das Meer dahinter. Man bleibt automatisch kurz stehen, weil das so ein „Wow, so klein ist Lipsi“ Moment ist. Hier machen wir noch einen kurzen Abstecher zu einer Kirche mit besonders schönen Blick auf Chora.

Nun geht es erstmal bergab. Dann kommen wir an der Panagia tou Charou vorbei, eine Pilgerkirche. Sie ist täglich von 9 bis 13 Uhr und von 17 bis 19 Uhr geöffnet. Bald darauf laufen wir oberhalb des Strandes Chochlakoura – das blaue und kühler Wasser, was für eine Versuchung. Doch wir sind standhaft, denn unser Ziel ist die Kapelle Agios Nikolaos. Auf der Straße geht es noch ein paar mal rauf und runter und dann sehen wir das Ziel vor uns.


Angekommen an der Kapelle, wirkt sie wie ein stilles Ende einer Etappe. Genau danach kommt die Belohnung: zwei Strände, die perfekt zum runterkommen sind – Tourkomnima und Xerokampos. Hier lässt es sich gut entspannen bevor man sich auf den Rückweg macht.
Wir gehen über den gleichen Weg zurück wie wir gekommen sind. Wir haben wieder dieselben Ausblicke, dieselben Kapellen. Man glaubt es kaum, trotzdem entdecken wir noch neue Dinge. Das zeigt einmal mehr, dass es nicht langweilig ist, einen Weg zweimal zu gehen.

Unterkunft – Apalonia
Eine schöne geräumige Wohnung für zwei Personen, direkt am Hafen gelegen. Draußen gibt es eine Terrasse, mit vielen Blumen, auf der man im Schatten richtig gut entspannen kann. Insgesamt eignet sich die Unterkunft super für Kurztrips genauso wie für längere Aufenthalte.

Fazit über Lipsi
Lipsi lohnt sich definitiv und zwar ganz besonders, wenn man nach einem Urlaub sucht, der nicht nur „schön“, sondern spürbar entschleunigend ist. Zugegeben, kurz nach der Anreise war ich noch sehr skeptisch. Wir sind nach der Ankunft im Supermarkt einkaufen gewesen und haben gemerkt, wie voll es sein kann. Der kleine Markt wirkt in diesem Moment einfach völlig überfüllt und ich hatte ehrlich gesagt das Gefühl, wir währen irgendwie am falschen Ort gelandet.
Doch schnell wurde klar, auf Lipsi findet man Ruhe und Entspannung. Was man auf der ganzen Insel nicht findet, sind Sonnenliegen am Strand. Die kommerzielle Nutzung wurde bereits vor mehreren Jahren abgeschafft und genau das macht den Unterschied. Es ist dieser ursprüngliche, naturbelassene Charme, der überall spürbar ist. Ich kann nur sagen: perfekt. Eine Wohltat, die schmalen Strände nicht mit Liegen überflutet zu sehen, sondern so, wie sie eigentlich wirken sollen.
Vielleicht hat uns die Gelassenheit der Insel sogar ein kleines bisschen zu sehr eingeholt. Unsere zwei letzten Tage verbrachten wir ausschließlich im Hauptort und am Lientou Strand. Es war einfach perfekt, auch wenn wir dadurch unseren Ausflug zum Platis Gialos Strand verpasst haben. Das ist der Strand, den viele Touristen als Traumstrand der Insel bezeichnen. Aber böse bin ich nicht deswegen, mit der Bucht von Kimissi hatten wir bereits unser eigenes, wundervolles Stranderlebnis.


So oder so bleibt am Ende vor allem eines: Lipsi ist nicht nur ein Ziel für einmal ansehen, sondern ein Ort, zu den man gerne wieder zurückkommt.
Genießt eure Zeit auf Lipsi!
Tina
Weitere Inseln um Lipsi
Kalymnos – die Insel der Schwammtaucher
Leros – ein Juwel der Dodekanese






